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Tiere im Zoo

Zootiere – gefangen, eingesperrt, abgeschoben

 

Vorschulkinder wissen heute eines ganz genau: Die kleine Conni geht für ihr Leben gerne in den Zoo und ganz besonders liebt sie die niedlichen Elefantenbabys. Alle kleinen Zoobesucher nehmen an dem Wettbewerb teil: Wer findet den schönsten Namen für den süßen Elefantennachwuchs. Die Bilderbuch Conni lässt beim Verlag die Kasse klingeln, denn die derzeitige Generation der Kindergartenkinder ist von ihr begeistert. Sie ist „immer gut drauf“ und erklärt unserem Nachwuchs die Welt – und was „normal“ ist. So etwa die fröhlich lächelnden Zooelefanten.

Doch wie so oft hat die Wirklichkeit ein anderes Gesicht. Das süße kleine Elefantenbaby hat nur selten im Zoo das Licht der Welt erblickt, und zu lächeln hat es schon gar nichts. Die Todesrate der im Zoo geborenen Elefanten liegt bei 42 Prozent. Ein Problem für viele Zoos, die sich deswegen ihren Nachschub aus freier Wildbahn beschaffen. So wie etwa die Zoos Dresden und Erfurt, die 1999 vier Elefantenbabys aus Botswana importierten, wo man sie gewaltsam von ihrer Herde getrennt hatte. Ein Trauma für die jungen Tiere, für die Bindung und funktionierende Familienstrukturen ebenso wichtig sind wie für uns Menschen. Eine intakte Sozialstruktur mit Spielen und ausgiebigem Körperkontakt war für die Elefantenjungen in freier Wildbahn selbstverständlich. Zudem legten sie bis zu 100 Kilometer am Tag in der unendlichen Weite Afrikas zurück. In ihrem neuen „Zuhause“ finden sie nichts dergleichen. Stattdessen werden sie mit Prügeln, Elefantenhaken, Stromstößen und ähnlichen Misshandlungen „gezähmt“. Eingesperrt auf kleinstem Raum, fristen sie von nun an ein Dasein, in dem Verhaltensstörungen wie Aggressivität oder das so genannte „Weben“ häufig auftreten. Dem monotonen Schaukeln an Hospitalismus erkrankter, menschlicher Waisenhauskinder ist diese Störung, die in freier Wildbahn nie zu beobachten ist, erschreckend ähnlich.

Ebenso wie die Elefantenbabys sind auch die Kinder der Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans dazu geeignet, Kinder zu begeistern. Da es sich aber nun mal nicht um nette, kleine Stofftiere handelt, sondern um lebendige Wesen wie wir, wird das Zoomanagement unvermeidlich früher oder später mit einem unliebsamen Phänomen konfrontiert: dem Altern. Nun blockieren die einst so begehrten Tiere nur noch Platz, der für Baby-Nachschub vorgesehen ist und werden in noch schlechtere Haltungen abgeschoben – bisweilen sogar in Tierversuchslabore.

Das Schicksal anderer Zootiere unterscheidet sich kaum von dem der Publikumsmagneten. Nach Berichten von PRO WILDLIFE werden Ziervögel, Reptilien, Säugetiere, Frösche, Skorpione und Spinnen sowie Zierfische zu hunderttausenden unter miserablen Bedingungen nach Deutschland transportiert. Von fünf Papageien kommt nur ein einziger lebendig ans Ziel!

Die Mindestanforderungen für die Haltung von Säugetieren stammen von 1996 (BMELV) und entsprechen nicht dem heutigen Erkenntnisstand darüber, welche Bedürfnisse der Tiere in der Zoohaltung unbedingt erfüllt werden müssen. Für Wildkatzen wie Löwen und Tiger ist hier bspw. ein Gehege von nur 40 m² vorgesehen. Der Weltzooverband WAZA empfiehlt dagegen mindestens 500 m². Dennoch richten sich viele Zoos und Tierparks, wie auch der Freiburger Mundenhof, nach dem veralteten Gutachten.

Braunbär im Freiburger Mundenhof

Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN weist in ihrer Stellungnahme zur Haltung von Großbären darauf hin, dass das Tierschutzgesetz (§2 Nr.1) eine verhaltens- und bedürfnisgerechte Unterbringung der Tiere vorschreibt. Um eine solche Unterbringung zu gewährleisten, müssten neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in die Haltungsrichtlinien miteinbezogen werden. Für die Unterbringung von Großbären sind laut Säugetiergutachten 150 Quadratmeter pro Tier ausreichend. VIER PFOTEN, selbst Betreiber von drei Bärenschutzzentren in Deutschland, Österreich und Bulgarien, sowie die WAZA empfehlen dagegen mindestens 5.000 bis 10.000 Quadratmeter. In freier Wildbahn stehen den Bären bis zu 20.000 ha und mehr zur Verfügung! So wie bei ihren Leidensgenossen, den Elefanten und anderen Zootieren, treten auch bei Bären durch die zu kleinen Gehege stressbedingte Erkrankungen und Verhaltensstörungen auf.

Die Vorteile, die der Mensch daraus gewinnt, Tiere einzufangen und zur Schau zu stellen, können das Leid der Tiere niemals aufwiegen oder rechtfertigen. Zoohaltung ist, wie jede Form der Tierhaltung, eine Freiheitsberaubung, die ein selbstbestimmtes Leben unmöglich macht und damit keinem Tier gerecht werden kann. Die Tiere können ihren Schmerz kaum zum Ausdruck bringen. Der Braunbär etwa ist ein Säugetier mit nur gering ausgeprägter Mimik, seinen Kummer sieht man ihm nicht an. Doch bei allem Vergnügen, das ein Zoobesuch unseren Kindern bereiten mag, einen Wert sollten wir ihnen primär vermitteln: Spaß ist es nur, wenn beide lachen. Zoohaltung ist, wie jede Form der Tierhaltung, eine Freiheitsberaubung, die ein selbstbestimmtes Leben unmöglich macht und damit keinem Tier gerecht werden kann.

Studien zeigen, dass bei Eseln in Gefangenschaft strukturelle Veränderungen im Gehirn auftreten. (Hüther 2006)

Literatur:

http://www.prowildlife.de/ElefantenZooZirkus

http://www.prowildlife.de/AffenhaltungZoo

http://www.prowildlife.de/Wildtiertransporte

http://www.vier-pfoten.de/website/output.php?id=1187&language=1

http://www.vier-pfoten.de/website/output.php?idfile=7361

Hüther, Gerald: Brainwash. Einführung in die Neurobiologie für Pädagogen, Therapeuten und Lehrer, Müllheim 2006

 

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